Kurzbeschreibung
Virtuelle Rekonstruktion der Synagoge Jablonec nad Nisou (Gablonz an der Neiße)
Beschreibung
Das überstehende Forschungsprojekt der Virtuellen Rekonstruktion zerstörter Synagogen unter der Leitung von Prof. Bob Martens und DI Herbert Peter wird mit der Modellierung einer weiteren Synagoge von Wilhelm Stiassny mit vorliegender Arbeit erweitert. Der 1892 ausgeführte Tempel von Jablonec nad Nisou, einem damals aufstrebenden Städtchen an der heute deutsch-tschechischen Grenze, war eine der ersten Synagogenbauten des Architekten. Der Aufschwung der für ihre Glasbijiouterie über die Landesgrenzen hinaus bekannte Produktionsstätte ist geschichtlich stark mit der Zuwanderung fähiger und geschickter jüdischer Handelsleute verknüpft, die in ihrem dem Gemeinwohl zugutekommendem Handeln hohes Ansehen genossen. Ein Vierteljahrhundert nach dem ersten jüdischen Gottesdienst, gefördert durch das Anwachsen der Gemeinde auf über 750 Mitglieder, strebte der Cultusverein alsbald den Bau eines eigenen Tempels an. Dem Wohlwollen des damaligen Bürgermeisters zu verdanken, konnte ein geeignetes Grundstück mit Hanglage zur Neiße in angemessener Nähe zur Evangelischen Kirche und dem Alten Markt erworben werden. Mit Wilhelm Stiassny konnte nicht nur eine prominenter Vertreter seiner Zunft, sondern auch ein engagierter und großmütiger Planer gewonnen werden. Der bestmöglich an das Baukapital der Gemeinde angepasste und uneigennützig zur Verfügung gestellte Vorschlag, sah eine dreischiffige Basilika vor, welche Stiassny, als Verfechter einer eigenständigen Sakralbauform für die Judenschaft, mit maurischen Elementen und Verzierungen kombinierte. Die Synagoge ähnelte seinem Gotteshaus von Malacky, welches er fünf Jahre zuvor in der heutigen Slowakei konzipierte, übertrumpfte es aber in Größe und Pracht deutlich. Auch wenn Gründe der Kosteneinsparungen vermutet werden, bleibt ein ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal von Jablonec, innerhalb Stiassny‘s Synagogenrepertoire ihre reich verzierte aber monochrom in weiß gehaltene Innenfärbung. Die streifenverzierte Fassade besaß zur Front zwei Seitenrisalite auf deren prachtvolle Kuppeln mit Laternen und goldenen Davidsternen ruhten. Über dem Mittelportal im aufwendig verzierten Kranzgesimse prunkte der Psalm zum Tor der Gerechten. Der Zerstörung und Verwüstung der Novemberpogrome entkam das Gotteshaus der Israelitischen Kultus Gemeinde nicht, und so konnte der flüchtende Rabbi einzig seine wertvollste Thorarolle mit in die USA retten. Zwar lassen sich einige Relikte, wie Vorhänge und Thoramäntel heute der Jabloncer Synagoge zuordnen, aber bis auf Stiassny‘s Originalpläne und eine Handvoll an Fotografien zeugt heute wenig von dem ehemaligen Tempel. Dementsprechend wurde früh im Zuge der Virtuellen Rekonstruktion auf erhaltene Bauten Wilhelm Stiassny‘s zurückgegriffen. Daraus resultierend konnten mehrfach wiederkehrende Elemente und Verzierungsmuster erkannt und detailgetreu nachgebildet werden. Als hervorzuhebender Vorteil ist die zur Verfügungstehen zweier Außenaufnahmen und der einzigen existenten Innenaufnahme in jeweils äußerst hoher Qualität und Auflösung. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse lassen nicht nur eine Wissensverdichtung zu den ebenfalls zerstörten Synagogen von Wiener Neustadt und der Wiener Leopoldsgasse zu, sondern ergaben auch neue Kohärenzen und Querverbindungen. So lassen sich eine Vielzahl an ausgearbeiteten Übereinstimmungen mit dem Innenraum der „Polnischen Schul“ in der Leopoldsgasse, als auch wesentliche Unterschiede zu Malacky anhand dieser Rekonstruktion nachweisen.
Projektdetails
Ansprechpartner
Bob Martens
Wissenschaftliche Beratung
Bob Martens
Institution
TU Wien
Straße: KarlsplatzBearbeitung
Bob Martens, Clara Sell, Herbert Peter, Maciej Roman Lazewski.
Auftraggeber/Kooperationspartner
Sponsor
Hardware/Software
ArchiCAD 16, Cinema 4D, Artlantis 4.1
Zusatzinformation
Ausgeführt zum Zwecke der Erlangung des akademischen Grades eines Diplom-Ingenieurs an der TU Wien von Maciej Roman Lazewski.
Geokoordinaten